Mitsprache beim Bau von Agrarfabriken!

Es ist mitunter fast amüsant, welche öffentlichkeitswirksame Augenwischerei gerade zu diesem Thema betrieben wird. Massentierhaltung wird von verschiedensten Politikern immer wieder an den Pranger gestellt, da wird diskutiert, wie der Einsatz von Antibiotika in der Mast kontrolliert und limitiert werden kann. Es wird z.B, sogar überlegt, zentrale Datenbänke zu schaffen, in welche Tierärzte eintragen sollen, wann sie an wen welche Medikamente abgegeben haben. Solche Maßnahmen wären zwar an sich nicht schlecht, gehen aber am Thema vorbei, wenn weiterhin der Bau von Tierfabriken, wie Mastanlagen und gigantischen Schlachthöfen, subventioniert oder erleichtert wird! Die Form von Landwirtschaft, die in solchen Anlagen betrieben wird, kommt schlichtweg nicht aus ohne Antibiotika! Man kann nicht erwarten, dass es möglich ist, extrem viele Tiere auf engstem Raum zusammenzupferchen, ohne dass sich Krankheiten in Windeseile verbreiten! Abgesehen davon ist es mit strengerer Aufzeichnung von abgegebenen Medikamenten ohnehin nicht getan, da es leider gängige Praxis ist, einen bestimmten Wirkstoff zu einem offiziellen Zweck abzugeben, im Endeffekt aber für etwas ganz anderes, ggf. sogar bei einer ganz anderen Gruppe von Tieren, einzusetzen. Und man muss sich einmal vor Augen führen, dass der übermäßige Gebrauch von Antibiotika Menschenleben gefährdet. Deshalb muss zu allererst eine einheitlichere Linie von Seiten der Regierung her!

Ein weiteres Beispiel für diese Art von Politik ist, dass auch immer wieder diskutiert wird, ob das Kupieren der Schwänze von Schweinen verboten werden sollte- Fakt ist aber, dass sie sich diese sonst gegenseitig aus Langweile und vielleicht auch Verzweiflung abfressen würden. Man schreibt sich also auf die Fahne, sich für den Tierschutz einzusetzen, was aber in Wirklichkeit keineswegs der Fall ist.

Ein Gesetzesentwurf liegt bereits vor, der den Kommunen mehr Mitspracherecht beim Bau von Mastanlagen geben soll. Ein Vorhaben dass den Forderungen unzähliger Bürgerinitiativen entspricht. Lokale Bürgerinitiativen die sich gegen Tierquälerei, Gestank, erhöhtes Verkehrsaufkommen, Grundwasserverseuchung, Lebensmittelskandale und eine Umwandlung unserer Agrarlandschaft in Industriegebiet einsetzen.

Diese Gesetzesnovelle wäre ein wichtiger Wegbereiter zu einer tier- und letztendlich auch menschenfreundlicheren Landwirtschaft. Nun hat aber Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) angekündigt, vermutlich auf Druck der Agrarlobby, einen entsprechenden Gesetzentwurf zu blockieren. Ihre Glaubwürdigkeit wird nicht unbedingt von der Tatsache unterstützt, dass sie noch vor 2 Wochen in Berlin zum Besten gegeben hat, dass Deutschland „Taktgeber in Europa“ in Sachen Tierschutz sei…


Scheinbar aber nicht ohne unser zutun:

Heute endet die Mittzeichnungsfrist einer öffentlichen Petition an den Deutschen Bundestag. Noch schnell mitzeichnen!

Campact hat ebenfalls bereits über 115000 Unterschriften gesammelt. Hier den Appell an Aigner, Ramsauer und Röttgen unterschreiben.

Da die Massentierhaltung auch global schwerwiegende Folgen hat und sich die Monokulturen für das notwendige Tierfutter immer weiter in den Regenwald fressen, sammelt auch Rettet den Regenwald Unterschriften für die Gesetzesänderung. Hier das Protestschreiben unterzeichnen.

Darüber hinaus sollte man sich mal ganz ehrlich fragen, inwiefern man Tiere essen muss, deren einfachste Bedürfnisse nie auch nur in irgendeiner Art und Weise Beachtung gefunden haben?!

Comments (5)

EikeFebruar 16th, 2012 at 11:06

Campact: “Ein voller Erfolg!!! Megaställe gebannt – Minister Ramsauer hat sich durchgesetzt. Das ist großartig, Campact-Aktive – ihr seid einfach klasse! Mit über 120.000 Unterschriften und dem Verbreiten der Kampagne habt ihr zu diesem Ergebnis beigetragen. Mehr dazu im Blog: http://blog.campact.de/2012/02/erfolg-ramsauer-setzt-sich-durch-megastalle-gebannt/

ReimundFebruar 16th, 2012 at 22:33

Hallo,
kann man irgendwo den genauen Wortlaut der Änderung des Paragrafen sehen (vorher/nachher)?
Gruss Reimund

JohannaApril 5th, 2012 at 18:16

Gestern Abend kam eine gute Sendung beim HR über Eier (und Hühner), “alles wissen”. Ein Teil ist online zu sehen, allerdings konnte ich den besonders kritischen Teil dort nicht entdecken (das Schreddern von Küken, nur weil sie männlich sind und somit keine Eier produzieren können). Grausam!

JohannaApril 5th, 2012 at 18:17

Ein Text dazu wurde jedoch verfasst: http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=73573&key=standard_document_44409947

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