Offtopic: Bahnstreik der GDL – die andere Seite

Seit Wochen wird aus allen medialen und politischen Rohren auf die streikenden Querulanten der GDL geschossen. Gerade jetzt am Wochenende zum längsten Streik den die Bahn je gesehen hat, ist wieder viel Geduld und Verständnis von den Bahnfahrenden gefragt. Doch beides fällt recht dürftig aus! Vor allem weil es sich viele Nachrichten einfach machen, sich nur an der Informationsoberfläche bewegen, personifizierte Sündenböcke präsentieren und sich vor den Karren von Privatisierung und Lohndumping spannen lassen! Und viele Menschen mit Ihnen… Traurigerweise auch viele Nachrichtenquellen und Menschen, von denen man sonst besseres gewohnt ist…

Ein Wort zur Solidarität von Max Uthoff aus der Anstalt:

Dringend Zeit für eine Übersicht zu den Hintergründen. Bei der Suche sind mir vor allem die Nachdenkseiten, auf Grund ihrer wirklich kritischen und durchdachten Nachrichtenzitate und eigenen Kommentare, positiv aufgefallen. (Verbindlichste Empfehlung!) Wenn schon viele Journalisten sich nur gegenseitig als Quellen zu Rate ziehen, dann sollten sie vielleicht wenigstens mal öfter hier vorbeischauen…

Zur Einführung bezüglich der Bahnprivatisierung macht wohl die Dokumentation “Bahn unterm Hammer” Sinn. Schon etwas alt und nicht umwerfend unterhaltsam, aber zeigt die Veränderungen seit der Privatisierung: Verschleiß und Rückbau der Infrastruktur, Schließung von Strecken und Bahnhöfen, massiver Stellenabbau, Einsparung von Personalkosten, alles trotz steigender Fahrkartenpreise und Bezuschussung durch Steuergelder – Auf der anderen Seite ein Ausbau des internationalen Geschäfts. Das gleiche Lied wie immer, Privatisierung der Gewinne – Verallgemeinerung der Kosten.

Dokumentation Bahn unterm Hammer

Schön bringt dieser junge Norddeutsche die Sicht der Lokführer auf den Punkt:
“Wir müssen, genauso wie Sie, täglich mit dem Leben, was uns die Bahnreform übrig gelassen hat.”

    Ausgewählte Artikel der Nachdenkseiten:

Worum geht es im GDL-Streik eigentlich?
“Würde die GDL diesem Diktat zustimmen, würde sie freiwillig darauf verzichten, das Grundrecht ihrer eigenen Mitglieder auf Koalitionsfreiheit wahrzunehmen. Zu einem Verzicht auf ein Grundrecht kann jedoch in einem Rechtsstaat niemand gezwungen werden.

Bahnstreik – Ich bin ein GDL-Versteher!
“Einer der häufigsten Vorwürfe, der Spartengewerkschaften wie der GDL gemacht wird, ist, dass sie nur deshalb so stark sind, da ihre Mitglieder an Schlüsselstellen setzen, die bei einem Streik ganze Unternehmen lahmlegen können. Dieses Privileg werde dafür missbraucht, den eigenen Mitgliedern auf Kosten der anderen Beschäftigten Vorteile zu verschaffen. Rosinenpickerei, so lautet der Vorwurf. Doch dieser Vorwurf ist im Falle der GDL reichlich absurd. Durch einen 2007 unterzeichneten Grundlagentarifvertrag darf die GDL bei der Bahn nur für die Lokomotivführer Tarifverträge aushandeln. Doch dieser Grundlagentarifvertrag ist im Juni dieses Jahres ausgelaufen und die GDL beansprucht nun das Recht, für das gesamte Fahrpersonal Tarifverträge auszuhandeln. Zum Fahrpersonal gehören neben den Lokführern auch Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Rangierführer und Ausbilder. Die GDL streikt also auch, um eben keine Rosinenpickerei für eine „Funktionselite“ zu betreiben, sondern um möglichst vielen Mitarbeitern Vorteile durch die Schlagkraft der Lokführer zu veschaffen.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist dieser Anspruch auch mehr als gerechtfertigt – nach Angaben der Deutschen Bahn sind in diesen Berufsgruppen 37.000 Mitarbeiter beschäftigt, von denen 19.000 Mitglied der GDL und lediglich 8.000 Mitglied der DGB-Gewerkschaft EVG sind. Die restlichen 10.000 Mitarbeiter sind nicht gewerkschaftlich organisiert.

Wenn die vermeintlich große DGB-Gewerkschaft vor allem durch ihren arbeitgeberfreundlichen Kurs aufgefallen ist, während die GDL die ureigenen Funktionen einer echten Gewerkschaft übernommen hat, sollte die GDL auch jedes Recht haben, im Namen der Arbeitnehmer Tarifverträge zu verhandeln. Dass dies der EVG nicht schmeckt, ist klar. Dass die Deutsche Bahn AG lieber nur mit einer einzigen, leicht zu händelnden, Gewerkschaft am Tisch sitzt, ist ebenfalls klar. Aber dass die Medien eine derartige Schmutzkampagne gegen die GDL fahren, ist schon erstaunlich. Noch erstaunlicher ist es jedoch, dass diese Kampagne Erfolg hat und die Bevölkerung sich nicht mit den Bahn-Beschäftigten, die ja nun weiß Gott nicht im Arbeitnehmerparadies beschäftigt sind, solidarisiert, sondern in den allgemeinen Chor der GDL-Verteufelung einstimmt.”

Bahnstreik – Aus den Zeilen tropft der Hass

“Die Wut der vom Streik betroffenen Bahn-Kunden ist freilich verständlich. Absolut unverständlich ist jedoch, dass aus dieser Wut auf den Streik ein kanalisierter Hass auf die Lokführer, die GDL oder gar Herrn Weselsky wird. Hier werden Opfer und Täter verwechselt. Lassen Sie sich bitte nicht ins Bockshorn jagen! (…)
Warum stellt die Deutsche Bahn sich bei den Verhandlungen mit der GDL eigentlich derart stur? Nur um einen Arbeitskampf anzuzetteln, den sie nach realistischer Einschätzung gar nicht gewinnen kann? Oder könnte es vielmehr so sein, dass die Deutsche Bahn von Seiten der Arbeitgeber als „Agent Provocateur“ dient, um Seit´ an Seit´ mit den Medien und der Großen Koalition die öffentliche Meinung zugunsten einer gesetzlichen Beschneidung der Arbeitnehmerrechte zu drehen? Wenn dieser Gedanke nicht all zu abwegig sein sollte, dann wird der Michel seinen „gerechten Zorn“ auf die Lokführer noch teuer bezahlen. Ein Grund mehr, sich solidarisch mit dem Arbeitskampf der GDL zu erklären und der Hetzkampagne der Medien zu widerstehen.”

Deutschland ist ein Niedriglohnland in Westeuropa, mit Trend weiter nach unten. Die Lokführer sind nur ein Beispiel. Wie sollten sie unterstützen, auch im eigenen Interesse! Schön wenn alle Gewerkschaften wieder so viel Schwung aufnehmen würden!
Gehalt Lokführer

Bahn-Streik: Ein Dank an die Lokführer (Kolumne von Jakob Augstein bei Spiegel Online)

Der Stimmungsmache was entgegen setzen! Diesen mikrofairkel-Artikel unter jede Beschwerde in den sozialen Netzen, die Argumente und die Solidarität in die Parteien und die anderen Gewerkschaften!

Energiewende sagen und Ressourcensicherheit meinen

Wir befinden uns momentan in einer Gesellschaft, in denen aufgebauschte Medienskandale die politische Debatte bestimmen und politische Nachrichten eher emotional verkauft werden, als inhaltlich unterfüttert. Das führt dazu, dass Leitbilder des offensichtlich richtigen entstehen, welche jede politische Kraft irgendwie bedient. Das erschwert natürlich dem Bürger den Durchblick und dem Wähler die Entscheidung. Politisches Desinteresse ist die Folge (und das selbst bei den eigentlich so politischen Studierenden, wie eine aktuelle Konstanzer Studie belegt).

Nehmen wir ein und vielleicht auch das wichtigste Beispiel:

Der KLIMAWANDEL!

Viele große Skeptiker und von Wirtschaftsinteressen getriebene Wissenschaftler und Politiker haben es lange versucht, aber inzwischen ist es gängige Überzeugung und nicht mehr wegzureden: Unsere Art zu leben und zu wirtschaften richtet das Klima und damit den Planeten und wahrscheinlich auch uns selbst zu Grunde. Wer das noch anzweifelt hat (erfreulicherweise) zumindest politisch nichts mitzureden. Das offensichtlich Richtige ist mit gesundem Menschenverstand demnach natürlich eine Lösungsstrategie wie alles besser wird. Ein weiteres großes Leitbild ist entstanden, tataaa: Die ENERGIEWENDE!

crazy weather

Politische Parteien und öffentliche Statements aus Wirtschaftskreisen, welche die Notwendigkeit der Energiewende anzweifeln, sind mir schon lange nicht mehr untergekommen. Macht Sinn, ist ja auch das offensichtlich Richtige. Gesunder Menschenverstand und so weiter, nur Deppen behaupten das Gegenteil…

Trotzdem sind die CO2-Emissionen in Deutschland in den letzten Jahren wieder gestiegen (Pressemitteilung Umwelt Bundesamt), so wird es “kaum möglich sein, das Klimaschutzziel der Bundesregierung für das Jahr 2020 zu erreichen”. Wieso? Ach ja, die Stromproduktion aus Kohle! Und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien steht auch noch eine anhaltende Steigerung des Stromverbrauches entgegen (wiwo green).

Wie kann das sein, wo doch die Energiewende das offensichtlich Richtige ist? Nun ja, das offensichtlich Richtige muss man in der Politik zwar sagen, aber nicht unbedingt auch so meinen. Meinen kann man stattdessen z.B.: “Energiewende ist schön und gut, aber wir müssen auch an die Interessen der alten deutschen Wirtschaftsstrukturen denken”, “Energiewende ist was für Hippies, warum essen die nicht weiter Salat und lassen mich hier Profit machen”, oder aber auch “Energiewende ist vor allem wichtig, damit unsere Wirtschaft auch in der Zeit nach dem Öl noch funktioniert” und “Energiewende ist eine Chance unabhängiger von ausländischen Importen zu werden und damit ein wichtiger Pfeiler deutscher Interessen-, Ressourcen- und Sicherheitspolitik”.

Wie unpopulär es ist, sich diese letzte Meinung als wichtige Basis für deutsche Politik ehrlich und offen um den Hals zu hängen, das hat unter anderem ja unser ehemaliger Bundespräsident Köhler gemerkt (militärische Sicherung des Außenhandels, ZEIT Online, 2011). Unter dem Etikett Energiewende lässt sich von diesen Interessen allerdings auch einiges unterbringen, aber eben nicht alles! Dann ist es z.B. egal, ob Biosprit unterm Strich CO2 einspart oder nicht, es macht unabhängig vom Öl. Eigentlich kein Grund für Rettet den Regenwald sich zu wundern (letzte Petition gegen die Erhöhung der Biosprit-Quote).

Und auf die Verstromung der eigenen Ressourcen zu verzichten, z.B. der Kohle, macht vorerst dann natürlich überhaupt keinen Sinn. Also wie viele Kohlekraftwerke wurden zugunsten der Energiewende schon abgeschaltet? Ach nee, stimmt ja, wir bauen ja noch weiterhin neue (Wikipedia, BUND, Enerlytics).

Also nicht wundern, nicht frustrieren lassen, schauen was vielleicht eigentlich gemeint ist, aber nicht gleich auf die große Weltverschwörung schimpfen, sondern Druck für eine echte Energiewende machen, mit dem Ziel der Eindämmung des Klimawandels und der Erhaltung unserer Umwelt! Kohleausstieg muss das nächste offensichtlich Richtige werden!

Die NGOs stellen sich bereits auf, jetzt unterschreiben und unterstützen:

Kohlekraft abschalten

Unterschriftenkampagne von Campact, BUND, Greenpeace, NABU

SOS Europa: Erst Menschen, dann Grenzen schützen!

Petition von Amnesty International unterstützen!

Daher fordern wir Sie und die EU-Regierungschefs dazu auf,

- die Seenotrettungsmaßnahmen im Mittelmeer durch die Beteiligung aller EU- Mitgliedsstaaten zu verstärken,

- mehr sichere und legale Zugangswege nach Europa zu schaffen, damit Flüchtlinge und Migranten nicht auf gefährliche Routen gezwungen werden,

- sicherzustellen, dass alle Schutzsuchenden an Europas Grenzen Zugang zu einem Asylverfahren erhalten,

- bei der Einwanderungskontrolle nicht mit Transitstaaten zu kooperieren, die Menschen bereits an der Ausreise nach Europa hindern und eine fragwürdige Menschenrechtsbilanz haben.

AfD – Deutscher Rechtspopulismus

Die Ergebnisse bei den letzten Landtagswahlen haben die Befürchtungen erfüllt. Die Alternative für Deutschland fährt gute Ergebnisse ein. Sie ersetzt damit zwar auch in gewisser Weise nur die FDP und NPD, aber damit hat und fängt sie auch immer noch einige Stimmen über das stramm rechte Spektrum hinaus.

Wenn die AfD eine Alternative für alle Nazis und Rechtspopulisten ist, die mit der NPD und den anderen Parteien unzufrieden sind, schön und gut. Sollen sie sich entsprechend ihres Millieus um die 5%-Hürde krepeln, rumpoltern und darüber hinaus keine wirkliche politische Macht ausüben, weil sie parlamentarisch isoliert sind.

Solange aber immer noch einige Liberale mit Scheuklappen durch die Gegend rennen und AfD wählen – Und wenn zu viele Menschen die AfD aus Protest wählen – Solange die Mehrheit der Bevölkerung und der Medien in unserem Land die AfD als rechtskonservativ wahrnehmen – Und wenn, wie es gerade passiert, der rechte Flügel der CDU sich teilweise schon anschickt, sich einer Zusammenarbeit mit der AfD nicht mehr zu verschließen – Solange stellt die AfD als Wolf im Schafspelz eine Gefahr für die offene und menschliche Gesellschaft dar!

Schluss mit dem Versteckspiel, runter mit dem Schafspelz! Monitor und Bildblog machen einen guten Anfang. Sehen, teilen, eine gute Wahl treffen.

BILDblog-Artikel: BILD und Unterstützer der AfD hetzen auf Basis einer stumpfen Lüge gegen Asylbewerber.

Israel – Palästina – Nahostkonflikt

Ein Konflikt der schon älter ist als die große Mehrheit von uns. Jahrzehnte von Friedensverhandlungen. Immer wieder Scheitern. Wie auch jetzt. Was folgt – Raketen, abgefeuert von radikalen Palästinensern auf der einen Seite und ein unerbitterlicher Militärschlag gegen die palästinensischen Gebiete, mit vielen zivilen Opfern, von der anderen Seite. Dadurch wieder eine Radikalisierung beider Seiten, Erstarkung der radikalen Parteien, Fortführung von Konfliktpolitik. Israel führt seine illegale Siedlungspolitik fort, verdrängt die Palästinenser immer weiter und macht zukünftigen Frieden noch unwahrscheinlicher. Terrorakte radikaler Palästinenser spielen ihnen zur Legitimation in die Karten.

Aber warum das alles? Warum kann es keinen Frieden geben?

Mauerkuss

So einfach ist es zwischen den beiden Kriegsparteien leider nicht. Ein Artikel der Juni-Ausgabe der Le Monde diplomatique bringt das Problem der Verhandlungen auf den Punkt: “Scheitern als Prinzip”.

Mittlerweile sind große Teile der internationalen Politik immerhin der Meinung, dass es eine Zweistaatenlösung geben müsse. Sogar Obama und Merkel äußerten diese Ansicht. Und die palästinensischen Verhandelnden waren dafür zu weitreichenden Zugeständnissen bereit. Doch Israel lehnte ab. Es solle die absolute Kontrolle über das Westjordanland gefordert haben. Also eine zeitliche unbegrenzt fortdauernde Besatzung – im Interesse ihrer Sicherheit. Zum wiederholten Male wird deutlich, dass Israel nicht an einer Lösung des Konfliktes und einem eigenständigen palästinensischen Staat interessiert ist.

Ohne internationalen Druck auf Israel wird es also keine Lösung des Konflikts geben. Aber so lange Israel Friedensverhandlungen führt, nehmen sie damit Sanktionsforderungen und Boykottaufrufen den Wind aus den Segeln. Und in der Zwischenzeit schaffen sie weitere Fakten, verletzen das Völkerrecht und die Menschenrechte. Nach 40 Jahren muss dieses Schauspiel endlich aufhören!

Die geschichtsgeschuldete oder geopolitische Zurückhaltung der Staaten nicht länger beachtend, weitet sich inzwischen eine zivilgesellschaftliche Boykott-Kampagne aus. Nicht israelische Produkte allgemein, sondern lediglich Produkte der Firmen, welche vom illegalen Siedlungsbau profitieren, oder dort produzieren, werden zunehmend boykottiert.

Unter anderem der finanzstarke norwegische Pensionsfond setzte nun aus diesem Grund zwei Firmen auf die Schwarze Liste und ein niederländischer Pensionsfond zog Kapital aus israelischen Banken ab. Oxfam kündigte die Zusammenarbeit mit Scarlett Johansson, weil sie Werbung für SodaStream machte.
Auch hier lohnt sich ein weiterer Artikel in der Le Monde diplomatique.

Während sich hierzulande die Zivilgesellschaft und Friedensbewegung zurück hält und dieses heiße Eisen scheinbar nicht anfassen will, hat Avaaz (als internationale NGO) nun die Boykottkampagne aufgegriffen und eine Petition an BP, HP, Veolia, Barclays, Caterpillar und G4S gestartet, damit sie ihre Investitionen beenden. Schließ dich an und erhöhe den Druck, jetzt unterschreiben: https://secure.avaaz.org/de/israel_palestine_this_is_how_it_ends_loc/?fpla

Dies sind Kriegsverbrechen, die wir nirgendwo anders dulden würden. Warum also in Palästina? Vor einem halben Jahrhundert zogen Israel und seine arabischen Nachbarn in den Krieg und Israel besetzte das Westjordanland und den Gazastreifen. Gebietsbesetzungen infolge von Kriegen finden die ganze Zeit statt. Doch keine Militärbesetzung sollte in eine jahrzehntelange Zwangsherrschaft ausarten, die nur Extremisten dient, die unschuldige Menschen terrorisieren. Und wer trägt das Leiden? Familien auf beiden Seiten, die einfach nur Freiheit und Frieden wollen.
(Avaaz)

Jean Ziegler, der ehemalige Sonderberichterstatter der UNO, beschreibt den Nahostkonflikt in seinem Buch “Der Hass auf den Westen” als eines der größten Glaubwürdigkeitsprobleme in der Menschenrechtspolitik Europas, weil der Westen auf diesem Auge blind zu sein scheint. Das spielt den Radikalen in die Hände, welche gerade in allen großen deutschen Städten die Grenzen zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus verwischen. Dem muss sich dringend entgegengestellt werden! Zeigen wir den Palästinensern, dass sie nicht allein sind und dass sich ein friedlicher Protest für ihre Rechte einsetzt. Damit stellen wir uns der Radikalisierung und auch dem Antisemitismus entgegen! Es geht nicht darum sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen, sondern sich für Frieden, Toleranz und Menschenrechte einzusetzen!

“Die Rechte der Palästinenser im Namen unseres Exklusivrechts auf das Land mit Füßen zu treten, könnte irgendwann dazu führen, dass Israel aus der internationalen Gemeinschaft ausgeschlossen wird. Und wenn es dazu kommt, hat das nichts mit Antisemitismus zu tun.”
(Zeev Sternhell), Israelischer Historiker

Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

mikrofairkel.de wünscht euch eine schöne und faire WM!

Foulspiel – und wir alle schauen zu?

Einige Hintergründe hier:

http://www.taz.de/Essay-Politische-Polarisierung-in-Brasilien/!139940/
Ausführlicher Bericht “Gekaufte Spiele” von der Freitag / BIG Business Crime

Europawahl – wählen gehen – Zukunft entscheiden!

Die Grafik des momentanen Wählerpotenzial rechter Parteien in Europa zeigt, was für einen Rechtsruck durch die europäische Parteienlandschaft gegangen ist. In vielen nationalen Parlamenten sind bei den letzten Wahlen neue rechtspopulistische Parteien eingezogen. Sie machen viele nationalistische Positionen salonfähig. (Erschienen in der Berliner Zeitung)

rechteparteienlandschaft

Ein Guter Artikel dazu auch in der Lemonde diplomatique.

das deutsche Pendant zu dieser Strömung lässt sich in der AfD finden. Auch wenn sie noch deutlich subtiler vorgehen als vergleichbare Parteien in Europa. Mehr dazu sicherlich noch später.

Die anstehende Europawahl birgt die Gefahr, dass sich diese Machtverhältnisse auch auf das europäische Parlament übertragen. Da gilt es entschlossen entgegen zu treten – wählen zu gehen!

Aber wir wollen uns auf gar keinen Fall einreihen in die einsilbige Forderung ‘nur wählen zu gehen weil sonst die Nazis kommen’! Es gibt auch so schon mehr als ausreichend Gründe wählen zu gehen!

Es ist wieder Krieg auf dem europäischen Kontinent | Das anstehende Freihandelabkommen TTIP (Campact-pdf mit Positionen der Parteien zum TTIP) | Klimaschutz | Nord-Süd-Beziehungen … Nur vier von vielen relevanten europäischen Themen.

Einen der schwerwiegendsten sehe ich in der europäischen Verantwortung am Tod von tausenden Flüchtlingen auf den verschiedensten Fluchtrouten auf dem Weg nach Europa. Hier unterscheiden sich auch die Parteien außerhalb des rechten Randes enorm! Ich stelle mir oft vor (vorausgesetzt dass unserer Welt eine bessere Zukunft bevorsteht) dass uns unsere Kinder oder Enkel einmal fragen, wie wir es zulassen konnten, dass unsere Gesellschaft das Mittelmeer zu einem riesigen Massengrab gemacht hat. Was sagen wir dann? ‘Sorry Schatz, aber das hat mich damals überhaupt nicht interessiert, ich war viel zu sehr mit alltäglichem, meinem eigenen Glück und einkaufen beschäftigt.’ Zugegeben, auch das ist vielleicht etwas populistisch. Da bin ich für Diskussionen offen!

Und natürlich läuft in Europa einiges schief! Und es gibt die Gurke, die Glühbirne, Staubsauger und Kaffeemaschine… Für viele Probleme der EU wäre allerdings ein stärkeres Europaparlament der erste Weg zur Besserung. Wenn du ernsthaft wegen deiner Kaffeemaschine nicht bereit bist deine Wahl für eine Richtung in der Lösung der großen Probleme der Menschheit zu treffen, dann viel Spaß mit deinem kalten Kaffee und der Nörgelei!

Allen anderen wünschen wir eine Gute Wahl!

Kein Deal mit den Atomkonzernen

Atomdeal

Die Atomkonzerne haben jahrelang kräftig von den AKWs profitiert, auch weil der Staat bereits viele Kosten der Atomkraft mitgetragen hat. Z.B. was den Transport und die Lagerung von Atommüll angeht. Nach diesem Prinzip war es möglich die Atomkraft als billigen Strom anzupreisen. Die großen Stromkonzerne wurden also bereits gut mit Steuergeldern subventioniert. Und auf den deutschen Staat werden mit den Altlasten der Atomkraft auch so schon noch genug Kosten zukommen! Wie unter anderem an den Problemen im Zwischenlager Asse zu beobachten ist.

Jetzt wo es für die Großkonzerne aber mal darum geht auch für die wahren Kosten aufzukommen – Abwicklung der AKWs nach Abschaltung und Atommüll-Endlagerung – wollen sie plötzlich gar nicht mehr so viel mit der Atomkraft zu tun haben und die Kosten komplett auf uns abwälzen! Druck üben sie dabei mit ihren milliardenschweren Klagen aus, die sie gegen die Bundesrepublik erhoben haben.

Die Bundesregierung erklärt sich mittlerweile zu Verhandlungen bereit.
Nicht so leicht mit uns! Keinen schmutzigen Deal mit den großen Stromkonzernen! Die Politik ist oft etwas kurzsichtig. Aber dieses Mal darf sie die eventuellen Einsparungen wegen der zurückgezogenen Klagen auf gar keinen Fall gegen die zukünftigen unkalkulierbaren Kosten der Atomkraft-Abwicklung eintauschen! Für diese Campact-Kampagne gibt es genug Gründe zur Unterschrift! Der Politik das Rückgrat stärken:

https://www.campact.de/kein-atom-deal/

Weitere Infos zu den Kosten des Atomausstiegs und wer sie tragen muss, hat Greenpeace in einer Studie untersucht. Fazit: Die Konzerne könnte sich aus der Verantwortung stehlen, wenn nicht rechtzeitig klare gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und würden sie das wohl tun?

Head & Shoulders – vernichtet nicht nur Schuppen

Kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung!

Palmöl steht seit einiger Zeit in der Kritik oft auf Kosten des Regenwaldes produziert zu werden. Der Absatzmarkt für Palmöl ist gut, es ist mittlerweile in unzähligen Produkten von Seife und Cremes über Kerzen bis hin zu vielen Lebensmitteln und Treibstoff enthalten. Dementsprechend müssen viele Urwaldflächen, teils durch legale und teils durch illegale Rodung, den Palmöl-Monokulturen weichen. Und darunter leiden nicht nur die Urwaldriesen, sondern natürlich auch die Artenvielfalt (besonders Orang-Utans sind hier immer wieder im Fokus), die einheimische Landbevölkerung (bis hin zum Mord) und natürlich das Klima.

Rettet den Regenwald macht macht des öfteren Palmöl-Kampagnen. Äquivalent zum best-in-class-Ansatz greifen sie die größten, bekanntesten und oder schlimmsten Konzerne heraus und appelieren an die Konsumentenverantwortung. Aktuell steht mal wieder die Deutsche Bank im Fokus.

Greenpeace hat sich in diesem Fall Head & Shoulders von Procter & Gamble rausgepickt. Mit dem Appell an die Konsumentenverantwortung und einer Unterschriftenaktion soll P&G dazu bewegt werden schmutziges Palmöl aus ihrer Lieferkette zu verbannen.

Das billige Bio-Ei zum Frühstück

Montag – verpasstes Sonntagsfrühstück nachholen – guter Start in einen freien Tag! Und natürlich auch mit gekochtem Frühstücks-Ei! Aber die 6er-Packung Bioland Eier, welche jeden Dienstag mit der Gemüsekiste geliefert wird, ist am Wochenende leider schon für einen Geburtstagskuchen draufgegangen. Also gut, schnell runter zu Penny und eine Packung B!O-Eier holen, das kann man doch auch mal machen… oder?

Guten Morgen Neugier! Bis das Wasser kocht noch gerade schnell nachschauen wo die Eier herkommen. Gerade kurz vor Ostern doch mal eine gute Idee! “Fürstenhof 0-DE-1327862″ steht in roter Schrift auf der Eierschale. Was-steht-auf-dem-ei.de hilft mir beim Entschlüsseln: 0 = Bio / DE ist klar / 13 = Mecklenburg-Vorpommern /27862 bezeichnet den Hof, in diesem Falle die Farm Dalwitz der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof. Hier kann ich direkt auf googlemaps sehen wo mein Ei herkommt, das ist doch mal Transparenz!

Die Recherche über Hof und Erzeugergemeinschaft geht dann schnell. Die Fotos auf der eigenen Website sehen ganz gut aus. Über die Schrot und Korn erfahre ich, dass die Fürstenhof EG in der Doku “Wie billig kann bio sein?” vorkommt. Oder eher gesagt nicht ganz so gut wegkommt:

Das mildert den Genuss dann doch etwas. Natürlich sind die Bilder der Doku nur eine Momentaufnahme und wie so oft bei diesem Medium ziemlich schwarz-weiß. Aber es ist schließlich ein starker psychologischer Mechanismus, dass wir gerade von “den Guten” keinerlei Fehltritte dulden: Von Bischöfen, Richtern, Vegetariern, Biobauern und anderen Moralaposteln wird eben absolute Perfektion und Reinheit erwartet. Ist doch ein Fleck auf der Weste fühlen wir uns umso mehr verraten – oder eben uns selbst dadurch besser – je nach Standpunkt.

Hätte ich also stattdessen genauso gut auch konventionelle Eier kaufen können, weil diese Perfektion nicht gegeben ist? Ganz klares NEIN. Auch wenn die Zustände in diesem Hühnerstall nicht so waren, wie wir uns das vorstellen und die Betreiber wohl eher Profitinteressen verfolgen und weniger ethische Grundsätze. Trotzdem müssen sie die Anforderungen des EU-Siegels erfüllen und werden mindestens einmal im Jahr kontrolliert, z.B. in Bezug auf die Verwendung ökologischer Futtermittel. Das ist immer noch mehr als die konventionellen Betriebe erfüllen müssen. Und da solche Meldungen auch nunmal schlecht für das Geschäft sind, bestehen auch Profitinteressen diese Mängel abzustellen. Und machen wir uns nichts vor, Filmaufnahmen von Tierschützern in konventionellen Betrieben kennen wir ja auch schon zur Genüge. Ein Vergleich verschiedener Haltungsformen finden wir im ZDF-zoom “das gelbe vom Ei“.

Aber es bleibt natürlich das Fazit der Doku: “Qualität und Ethik haben ihren Preis.” Und wenn wir in einen Discounter gehen, wo das oberste Gebot der niedrige Preis ist, sollten wir uns nicht wundern, dass Qualität und Ethik nicht über die Mindestanforderungen hinaus gehen und manchmal eben dann auch nicht erfüllt werden. Wer mehr erwartet sollte nicht beim Discounter suchen, sondern sich nach den Siegeln umschauen, die mehr versprechen (Bioland, Demeter, etc.) und dann auch mehr bezahlen. Einen Artikel zur Übersicht über die verschiedenen Siegel hatten wir schon mal.

Und mein Frühstücks-Ei-Fazit? Es ist schön, dass auch konventionelle Betriebe auf biologische Landwirtschaft umstellen, ganz gleich aus welchem Interersse. Aber die Mindestanforderungen und die Kontrollen für das staatliche Bio-Siegel müssen dringend angehoben werden. Schön wäre als Bedingung eine bäuerliche Landwirtschaft, so wie es die AbL fordert. Bis es dazu kommt, sollten sich immerhin die “besseren” Bio-Siegel deutlich positionieren und von der Bio-Massentierhaltung abgrenzen!

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